Rosenkranz im Auto

Das sind drei Begriffe, die so gar nicht zueinander passen.  Auf der A2 schon!

Nach dem Zahnarztbesuch, rasch noch etwas einkaufen und dann auf dem schnellsten Weg nach Hause, denn der Kofferraum ist voller leckerem Eis und anderen Lebensmitteln. Rauf auf die Autobahn und los... Draußen sind 29° C im Schatten - aber wir haben ja eine Klimaanlage im Auto...

An der Friedensauer Brücke vorbei ... da zeigen sich Rauchschwaden in der Ferne. Und gleich darauf Warnblinker auf allen drei Spuren. Rettungsgasse bilden ... Anhalten ... Stau. Waldbrand, wie wir schnell erfahren. Von hinten kommen noch ein paar Feuerwehrfahrzeuge und bahnen sich mühsam ihren Weg. Wir stehen. Die Rauchwolken werden dunkler.

Hinter uns ein polnischer Bus - voller Kinder mit Erwachsenen, die bald aus dem Bus steigen, um sich die Füße zu vertreten. Und ein Kofferraum voller Eis, das bei 29° Außentemperatur wohl nur begrenzt durchhalten würde. Nach einer halben Stunde steht die Entscheidung. Nein, der Busfahrer spricht kein Deutsch, auch kein Englisch. Aber eine der Betreuerinnen spricht (so scheint es) ein bisschen Englisch. Wir versuchen zu erklären, dass unser Eis schmilzt - ob sie Löffel dabei hätten. Sie versteht nicht wirklich. Also holen wir unsere ganzen Eisvorräte (für uns und unseren Wochenendbesuch vorgesehen) aus dem Kofferraum und geben es an die Betreuer der erzkatholischen Reisegruppe (der "zivil" gekleidete Prieser ist gut an seinem Kreuz zu erkennen).

Das Lachen der Kinder und die Freude der Betreuer taten gut - machten es leichter, unsere "dahinschmelzenden Schätze" loszulassen.  Es war auch die richtige Entscheidung, wie wir drei Stunden später - immer noch an gleicher Stelle - sicher sein konnten... Mehrere Kinder und Erwachsene kamen zu unserem Auto, sich zu bedanken. Löffel hatten sie - und Becher auch. Die Verteilung des Eises klappte prima.

Andreas als HippieWenig später kam auch die Leiterin mit den begrenzten Englischkenntnissen zu uns. Sie wollte sich bedanken und drückte uns einen Rosenkranz, sowie eine Kette mit einem kleinen Kreuz in die Hand. Klar - in meiner eigenen Glaubenstradition kann ich damit nicht so viel anfangen. Es reicht gerade zu einem Hippie-Bild... Aber doch hat mich diese Segnung besonderer Art tief berührt. Wildfremde Menschen wollen auf ihre Weise danke sagen, zugleich Zeugnis geben von ihrem Glauben und uns Segen zukommen lassen.

Und während ich das Stauende und die wohlbehaltene Heimkehr mit einer besonderen Faßbrause feiere, frage ich mich auch: wie  hätte ich wohl meinen Dank, meinen Segen zum Ausdruck bringen können? Wie hätte mein Zeugnis ausgesehen - ganz ohne Sprachkenntnisse und jenseits üblicher Kommunikationswege?

Ich wünsche der polnischen Reisegruppe noch eine behütete Heimfahrt. Sie werden über drei Stunden später zu Hause ankommen, als geplant. Selbst schon zu Hause, kann ich mit Übersetzungshilfe formulieren, wie ich auf diese Begegnung reagieren möchte ... und durchaus ernster gemeint, als das Foto rechts:

Łaska i pokój niech będą z wami.