Die Lehre von der Käsetorte: LEBE!

Seit meiner Kindheit erinnere ich Omas Käsetorte. In Perfektion und mit viel Liebe gebacken - unter einer Dralumahaube (mangels Backofen), stand sie alljährlich an ihrem Geburtstag auf ihrer Kaffeetafel. Lecker - Quark, Grieß, geriebene Zitronenschale waren Teil ihres unübertroffenen Rezeptes.  Ein Klecks Sahne auf die puristische Torte (ohne Rosinen, Mandarinen oder sonstiges "Zubehör") - wunderbar.  Jedes Mal gab es Lob und Anerkennung von den Gästen. Und jedes Jahr war die Reaktion der mit reichlich Hypochondrie ausgestatteten Oma die gleiche:  sie habe sich besonders viel Mühe gegeben, es könnte ja ihre letzte sein. Sie litt ständig an Krankheiten, die sie gar nicht hatte. Tatsächlich wurde sie 95 Jahre alt- und erlebte noch eine Ururenkelin...  LEBEN.

Heute vor vier Jahren gab es wieder Käsetorte. Dieses Mal von Carol gebacken - aus Anlass des 85. Geburtstages meiner Mutter. Klein, fein, lecker - die Käsetorte. Das Leben derer zu feiern, die mit uns waren (meine Mutter war mit gerade 62 Jahren verstorben), gehört zu unseren Familientraditionen. Dies war nun allerdings tatsächlich die letzte Käsetorte von Carol. Das letzte Stück sollte dann wohl auch ihr Leben feiern - auch wenn es mir am am Abend darauf unter Tränen im Halse stecken zu bleiben drohte... LEBEN.

Wann immer ich Käsetorte esse, feiere ich Leben. Am Ende ist es doch immer zu kurz, wenn wir es nicht gefüllt haben.

Die Losung des heutigen Tages lautet übrigens:

Ich bin nackt von meiner Mutter Leibe gekommen, nackt werde ich wieder dahinfahren.
Hiob 1,2

Alles was dazwischen liegt, dürfen wir gestalten, genießen - z.B. auch mit Käsetorte. LEBE