Waldorfschule Gladbeck

... hat mir ihre Schule gezeigt.

Während des langen Wochenendes zum 1. Mai hatte ich das Vorrecht, einen Teil von Claudias Familie und ihre heimatlichen Gefilde kennen zu lernen. Die Eltern und ihren ältesten Bruder konnten wir nur auf dem Friedhof besuchen. Doch sein Sohn, mit Frau und Kindern, seine Mutter (Claudias Schwägerin) und Claudias jüngsten Bruder gaben dann doch einen lebendigen Einblick in die Familie Sokolis. Und dann gab es noch diesen Ausflug zu ihrer Schule...

Waldorfschulen sind in manchen christlichen Kreisen ja sehr umstritten. Das ist durchaus nachvollziehbar - erinnert doch die Anthroposophie Rudolf Steiners eher moderne Esoterik als an biblisch fundierter Sichtweisen des Lebens. Und doch ... mich hat die Schule beeindruckt. In der dritten Klasse lernt man dort Brot in einem großen Steinofen selbst zu backen.  Man lernt zu schmieden, zu schnitzen, zu steinmetzen (sagt man das wirklich so?) und so viel mehr, was mit dem wirklichen Leben zu tun hat. Die Devise "Lernen durch tun" gab es schon bevor "learning by doing" zum Schlagwort wurde. Ganzheitliche Pädagogik ist ein Ziel, von dem andere gerne reden - hier wurde sie Realität ... und das ist bei Claudia bis heute zu spüren.

Dabei ist selbst die Architektur der Gebäude ein Erlebnis. Luftig und hell sind die Gebäude (im Kontrast zu dem Gebäudeteil, der am Anfang übernommen, also nicht selbst gebaut wurde ... der wirkt wie ein Behörden- oder eben Schulflur aus den 50er Jahren). "Waldorf" erkennt man sofort - bis hin zu den eigenwillig geformten Türzargen und den Eckiges und Rundes integrierenden Schriftzügen. Bilder und Kunstwerke von Schülerinnen und Schüler gefertigt- auch ehemaligen - sind überall zu bewundern. Ein Gemälde von Claudia hing bis vor wenigen Jahren im Schulsekretariat, bevor es ihr wieder zurück gegeben wurde. Beeindruckend. 

Da erfüllt mich schon mit Wehmut, dass christliche Kirchen es nicht vermocht haben, ähnlich klar formende, am Menschen orientierte, ganzheitliche Bildungseinrichtungen zu unterhalten und finde ich es schon schade, dass einem bei Waldorfschülern oft nur einfällt, dass sie ihren Namen tanzen können (wer kann das auch sonst schon!). Umgekehrt hat Claudia auch nicht in ihrem christlichen Glauben Schaden genommen, im Gegenteil - die musisch-künstlerische Prägung hat den Ausdruck ihres Glaubens vielfältiger, bunter, bewegter gemacht und sie befähigt, diesen Segen auch weiter zu geben.