Heute ist der vorletzte Arbeitstag in meinem Leben. Das ist natürlich Quatsch, denn ich arbeite auch nach meiner Berentung weiter – nur anders.
Vorletztes finde ich faszinierend. Morgen ist mein letzter Arbeitstag vor ein paar Tagen Urlaub und meinem Altersruhegeldbezug (was für ein Wortungetüm). Da wartet noch viel auf mich, was zu erledigen ist. Aber heute … ist der vorletzte Tag. Ich sitze in meinem Büro und genieße den Sonnenschein draußen, lausche auf die Stille und höre das Rauschen der Heizung und das Klicken der Tastatur. Ich packe Kisten, Erinnerungen, Bücher, die jetzt von Friedensau nach Genthin umziehen … und bin nachdenklich.
Vorletztes können wir wahrnehmen, gestalten – immer wieder neu, immer wieder anders. Letztes hingegen bleibt unverfügbar. Wie lebt es sich im „Vorletzten“? Ich habe heute noch einmal bewusst in der Mensa gegessen, Gespräche und Telefonate geführt, Dinge erledigt, ganz banale Dinge. Und doch sind sie heute irgendwie anders. Ich werde öfter gefragt, ob es mir denn mit der bevorstehenden Rente gut ginge – oder vielleicht eher nicht? Meine Antwort auf solche Fragen lautet ganz klar „Ja“. Übergänge sind doch immer ein Sowohl-als-auch. Mein Dekan erzählt mir, dass er gerade mit Studierenden an einem Projekt arbeitet, in dem untersucht wird, wie Menschen diesen Übergang ins Rentenalter bewerkstelligt haben. Spannendes Thema, finde ich. Mal sehen.
Vorletztes ist aber immer auch voller Hoffnung: da kommt noch etwas. In meinem Fall ein Honorarvertrag, der mich ein weiteres Jahr an der Hochschule arbeiten lässt (wenn auch in sehr viel kleinerem Umfang). Ein Rede-Raum, der jetzt nicht mehr mit angezogener Handbremse beworben und betrieben werden muss. Die geistliche Verantwortung der Gemeindeleitung in Friedensau, der Auf- und Ausbau der Gebetsoase, das Buch, das noch fertig geschrieben werden will. Ich bin erst beim Vorletzten. Wie gut.
Um Letztes wissen wir herzlich wenig und sollten vielleicht lieber schweigen. Aber Vorletztes leben, füllen, gestalten … das möchte ich gerne.
Und lächle.