„Wiesen und Berge … was lebt und atmet in Tälern und Höh'n“ klingt heute Nacht in mir nach, genau wie „der Herr, segne Dich schon jetzt“. Lieder, die wir gestern bei meinem Abschied als Pastorin in Schönebeck gesungen und gehört haben.
Nach all den Eindrücken und Worten, Liedern und Gesten des gestrigen Tages, bin ich so erfüllt, dass ich erstmal schreiben muss, um all der Wertschätzung und Anerkennung Resonanz und den Gedanken Ausdruck zu geben.
Der Reigen der Generationen, der Vielfalt der Gemeinde, war ein bunter Blumenstrauß. Auch unsere Wohnung ist heute gefüllt mit weißen Rosen, bunten Sträußen, Pflanzen und Bäumchen. Musik erfüllt den Raum. Neben zwei Tonfiguren, die ihr Lied anstimmen, zeigen Fotos den musikalischen Einsatz von Andreas und mir.
Eine Akkord-Zither aus Markneukirchen, geziert mit Blumen-Ornament, und in der DDR gebaut, lädt mich ein, neue Saiten aufzuziehen, zu stimmen, und Neues zu lernen. Jubel-Töne steht in der Mitte der Zither und auf der beiliegenden Karte Dank für die Musik, die ich geschenkt habe. Vorne zeigt die Karte eine gedeckte Kaffeetafel im sommerlichen Garten und leise schleicht sich das Zitat ins Bild „Man kann auch mit den Ohren schenken“.
In diesem Sinne schenkte mir die Gemeinde zum Abschied eine Teekanne und der Frauenhauskreis die Tassen dazu. „Edel und besonders“, sagte mein Mann beim Auspacken – und ich war sprachlos. Kannte kaum jemand Hedwig Bollhagen, als wir zum Adventssingen unterwegs waren und ich mich bei einem Besuch gleich an dem Design erfreute, wurde ich gestern mit einer Teekanne und Tassen dieser deutschen Keramikerin, die für mich in ihrer Kunst und Art eine Brückenbauerin ist, beschenkt. Die Pakete wurden mir mit wertschätzenden Worten der jüngeren Generation übergeben, und dem Wunsch weiter zu uns auf einen Tee einzuladen und offene Ohren zu haben, Gespräche zu führen, die wachsen lassen. In einem für mich erstelltem Video, wurden Stationen meines Dienstes präsentiert, und junge wie ältere Geschwister der Gemeinde gaben Zeugnis über meinen Dienst und mich als Pastorin, teilten, welche Spuren ich in den Jahren hinterlassen habe und was sie mir weiter wünschen.
Bis gestern habe ich mich nicht so als Gärtnerin verstanden, wie es in Worte gefasst wurde. Doch das Bild berührt mich sehr tief und durchzog die Rückmeldungen. In vielen persönlichen Karten und Zusprüchen wurde mir gedankt für seelsorgerliche Begleitung, prägnante Sätze, wachsende Beziehungen zwischen Einzelnen und Gemeinden. Mehrfach kam zum Ausdruck, dass ich Menschen gesehen und ihre Gaben gefördert habe.
„Herr Pastorin“ sagte für uns der Gemeinde Danke, und ich übergab der Gemeinde ihr Siegel, predigte im Gottesdienst zu dem Abschnitt aus Lukas 9, der sowohl den Wochenspruch enthält als auch die Bibelstelle auf meinem Kreuz, die mich erinnert: Deine Aufgabe ist das Leben, nicht der Tod. Verkündige du die Herrschaft Gottes. Den Tod haben wir nicht ausgelassen, nicht die Todesfälle und Abschiede in der Gemeinde, die gesellschaftlichen, weltpolitischen und gemeindlichen Herausforderungen, die die Zeit meines Dienstes prägten. Doch in allem und durch alles hindurch leuchtet gestern Gottes Gegenwart und die Ermutigung zur Nachfolge mit Blick nach vorne und auf Jesus, der vorangeht.
Ein „Salzturm“ aus Bad Salzelmen, den ein Teelicht zum Leuchten bringt, und Salz wurden uns geschenkt, symbolisch dafür, dass wir Salz und Licht sind und weiter bleiben. Eine kreativ gestaltete CD-Box mit Predigten von mir zeugt davon, dass ich Samen gesät habe. Worte und Bücher ermutigen mich zu lesen, zu schreiben, zu hören und die Frage nach dem eigenen Buch nehme ich mit nach Brandenburg und Genthin. – Alles hat seine Zeit und für mich beginnt heute die „Sabbatwoche“ zwischen den Diensten. Daher koche ich gleich mal Tee…