Wir machen Urlaub im Nachbarland Polen, das wir dank Deutschlandticket für nur 3,00 EUR Grenzübertrittsfahrkarte bequem und kostengünstig erreichen konnten. Wir sind in Stettin oder politisch korrekter, nur für mich unaussprechlich: Szczecin.
Mit seinen 400.000 Einwohnern ist Stettin eine lebendige, vielseitige, historisch interessante, aber vor allem laute Stadt. Ja, wir sind im Stadtzentrum untergebracht, in einem der wunderschönen Gästezimmer des beeindruckenden Gemeindezentrum der Baptisten, aber doch in einer Seitenstraße, gleich gegenüber vom eher ruhigen Gefängnis. Dennoch, Tag und Nacht ein beachtlicher Geräuschpegel, der sich aus Straßenbahnen, Autos, häufigem Sirenengeheul von Polizei oder Krankenwagen zusammensetzt. Klar, wir könnten die dreifachverglasten Fenster des frisch restaurierten Gebäudes einfach geschlossen halten. Aber dafür ist es dann doch zu heiß. Man kann es uns einfach nicht recht machen.
Lediglich der Hauptfriedhof, der drittgrößte Europas, dämmt das Grundrauschen der Stadt ein wenig, ist er doch von Wällen umgeben und eine sehr weitläufige, über 167ha große Parkanlage. Wohltuendes Grün in allen Schattierungen. Es gibt neben dem historischen Rundgang durch den Friedhof auch einen dentronitischen, denn hier wurden Bäume aus allen Teilen der Welt angepflanzt und werden liebevoll gepflegt. Potthäßlich hingegen das Monument zur polnisch-sowjetischen Waffenbrüderschaft. Ist aber auch kaum anders zu erwarten.
Irritierend sind die Zebrastreifen der Stadt. Überall zu finden, verkehrsregulierend – denn … und das hat mich als deutschem Autofahrer echt umgehauen … die ziemlich rasant fahrenden Autos halten vor einem Zebrastreifen tatsächlich, wenn sich irgendein Mensch auch nur in der Nähe aufhält. Für mich ist es geradezu hochnotpeinlich, wenn ein Auto, das noch ganz bequem hätte vorbei fahren können, ohne meine Straßenüberquerung zu behindern oder zu verlangsamen, einfach anhält und mir den Vorrang gibt. Selbst Handzeichen, doch weiterzufahren, helfennicht. Es wird gestoppt. Ich frage mich, wie die Fahrschulen das vermitteln (oder welche Strafen die polnische StVO vorsieht). Jedenfalls ist der Fußgänger König.
Musiker der 180 jährigen Gemeinde bei der Probe vor der berührenden Taufe, die wir bei den Baptisten erlebten.Aber auch in den Gemeinden, die wir besucht haben, haben wir großes Zuvorkommen erlebt. Mit großer Herzlichkeit und Freundlichkeit wurden wir aufgenommen. Anders als in der Stadt, in der wir mit Englisch, nicht aber mit Deutsch gut durchkamen, gab es in der Adventgemeinde auch die Möglichkeit deutsch zu hören. Überhaupt waren die Gemeinden sehr international: Frau aus Lettland, Ehemann aus dem Kongo, Kind in Polen geboren – eine Familie. Auch in der Baptistengemeinde gibt es eine große Gruppe Englischsprachiger mit ihrer ganz eigenen Bibelstunde. Übersetzung des Gottesdienstes für Gäste ist überall eine Selbstverständlichkeit. So haben wir uns beheimatet gefühlt. Und wo weder deutsch noch englisch halfen, haben Hände und Füße und warmherziges Lachen Verständigung ermöglicht.
Smaragdsee - da musste ich rein... Zurück zum Lärm. Selbst unser Ausflug an den Stadtrand, zum Bismarckturm (leider geschlossen, trotzdem imposant) oder zum legendären Smaragdsee (ja, der ist wirklich smaragdgrün) hat den Klangteppich nicht abgesaugt bekommen. Aus der Ferne war der Lärm der Stadt deutlich zu hören. Sind Großstädte eigentlich immer so laut? Wie war das in Berlin, Hamburg oder dem Ruhrpott? Sind wir von Genthin verwöhnt? Werde ich alt? Auf jeden Fall lernen wir Stille neu schätzen, denn auch sie ist alles andere als selbstverständlich. Und ja, wir freuen uns auch wieder auf die Vögel von Genthin.
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Bismarck Turm
Wird gerade restauriert und blieb uns verschlossen.Bismarck Turm
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Friedhofskapelle
Stettin beherbergt den drittgrößten Friedhof Europas.Friedhofskapelle
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Kriegsgräber
Sie ähneln sich überall. Hier für sowjetische Soldaten.Kriegsgräber
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Kathedrale
Kathedrale
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Segensbrunnen
Gedicht zum Brunnen... bitte anklicken.Segensbrunnen
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Straße in Stettin
Von der Brücke neben der Kathedrale fotografiert.Straße in Stettin
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Besuch beim Papst
Denkmal für den polnischen Papst Johannes-Paul II vor Verwaltungsgebäude der Stadt.Besuch beim Papst
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Café 22
Das Café im 22. Stockwerk bietet nicht nur einen wunderbaren Ausblick auf die Stadt, sondern auch leckeres Essen.Café 22