Auf dem Tisch liegen sie, die Puzzleteile der Hofkirche. So genau weiß keiner, wie dieses Puzzle mit 500 Teilen an dem Tag in die Hofkirche kam. Wer hat es mitgebracht oder rausgeholt?
Es gibt die Ahnung, wer es einstmals erstellt hat. Pastoren haben in den Jahren ihre Spuren hinterlassen. Der eine konnte gut fotografieren und hatte es wohl erstellt, der andere Kollege überreichte mir am Vormittag gesammelte Werke seiner Alltagsgeschichten. Welch ein Schatz: zwei liebevoll erstellte und gebundene Bände. Freizeitlektüre.
Wir feierten am Sonntag einen Hofgottesdienst mit anschließendem Grillen und Programmpunkten am Nachmittag. Begegnungen und Gespräche durchzogen den Tag. Kinder und Erwachsene spielten, Musik erklang an verschiedensten Ecken, und in der Küche traf man beim Abwasch Männer wie Frauen, die Hand in Hand arbeiteten. Ein reges Treiben war zu erleben. Die Gemeinde hatte eingeladen zum Verweilen, gemeinsam Zeit zu verbringen, den ein oder anderen Gedanken mit auf den Weg zu nehmen, ins Gespräch zu kommen.
Als das Grillen zur Mittagszeit vorbereitet wurde und alle so ihren Platz suchten, miteinander ins Gespräch kamen, zog ich mich für einen Moment zurück, und begann zu puzzeln. Wenn eine anfängt, dachte ich mir, werden andere weiter puzzeln. Und so fing ich an Puzzleteile zu suchen, die den Rand markierten, fand beim Suchen Teile, die farblich und thematisch zusammenpassten, und startete selbst mit dem Logo, weil es so schön klar zu entdecken war. Nicht lange saß ich allein am Tisch. Der erste gesellte sich schnell zu mir, wir puzzelten zusammen und kamen ins Gespräch, bis ich gebeten wurde das gemeinsame Essen zu eröffnen.
Im Laufe des Tages saß immer wieder jemand am Tisch. Mal einzelne, mal mehrere. Am Nachmittag saßen wir mal in größerer Runde um das Puzzle und ich denke an Gespräche, die sich ergaben. Das „Puzzeln“ ist mir zum Sinnbild des Tages geworden. Es braucht viele Teile, die zum Bild eines Ganzen zusammengefügt werden. So auch unser Hoffest. Angefangen beim ersten Gedanken und der Terminfindung, bis zu den schriftlichen und mündlichen Einladungen, über das Aufstellen der Bänke, die Gestaltung der Dekoration, der Vorbereitung des Essens, der inhaltlichen Darbietungen, das Proben der Musikstücke und das Besorgen der Spiele, bis zum Abwasch, Aufräumen, Nachklingen lassen und Auswerten.

Claudia predigt beim HoffestWas wäre unser Gemeindeleben ohne die vielen, die sich nach ihren Möglichkeiten eigebracht haben, die an dem Tag die Gemeinschaft gepflegt hätten, miteinander, mit Freunden und Gästen? Was wäre unser Gemeindeleben, ohne die Menschen, die ihre Gaben zusammengebracht haben – sei es praktisch, finanziell, gedanklich?
Bei unserem Hoffest wurde pünktlich vor dem Regen zusammengeräumt. Vieles sieht aus wie vorher. Nur das Puzzle ist liegengeblieben. Manch Teile wurden zusammengefügt, doch fertig ist es noch nicht. Vielleicht wird es das im Laufe der Woche, am nächsten Sonntag, und vielleicht ist es weggepackt, und nicht jeder hat es fertig gesehen, und wir werden irgendwann fragen, wo es gelandet ist, wenn wir das nächste Hoffest vorbereiten. Was uns bleiben wird, ist die Erinnerung an diesen Tag. Und die kann uns keiner nehmen. Begegnungen und Zeiten für Erinnerungen schaffen, das ist ein Segen, wie der Regen am Ende des Tages, der hilft, dass die Natur getränkt werden und Wachstum geschehen kann.
In mir klingt noch manches Gespräch nach – nicht nur von denen, die ich am Puzzletisch führte, sondern am Getränkestand, im Wintergarten, mitten im Hof und am Rande des Geschehens. Dafür bin ich von Herzen dankbar und freue mich über ein Bild an Gemeinde, das entsteht und wächst.
csb / 07.07.25