„In der Ruhe liegt die Kraft“, so der Untertitel eines Buches, das ich vor Jahren las. „Die Bärenstrategie“ von Lothar Seiwert zum Thema Zeitmanagement, das sich mir nicht allein durch das rote Cover einprägte. Zum Thema Selbstfürsorge lernte ich damals von den Bären zum Thema Gelassenheit.
Nun hatte ich letzte Woche ein richtig langes Rest-Urlaubs-Wochenende, an dem ich gut abschalten konnte vom Alltag. Die Enkelkinder schenkten mir eine Fülle kreativer Momente und Vorlesezeiten. Wir hatten Tischgemeinschaft und Andachtszeiten, Musikzeiten und Ausflüge, Rollenspiele und Malzeiten. Und ja, wir ruhten uns aus, und auf die Pläne der Großeltern wurde Rücksicht genommen. Eine richtig schöne Familienzeit. Dann sollte der Alltag am Dienstag wieder Fahrt aufnehmen, da stellt sich am Abend die Erkältung ein, und verschafft mir eine Ruhe-Pause auf dem Sofa und im Bett. Ich liege und schlafe, niese und lasse mir vorlesen. Mein Hörbuch-Abo zahlt sich aus. Als meine Ärztin mich sah überzeugten sie gleich meine glasigen Augen, die Stimme, die sie hörte, und andere Fakten, die sie wahrnahm und dokumentierte. Nun leiste ich unseren Bären Gesellschaft, genieße Ruhe und Stille – und höre mein Hörbuch zum zweiten Mal.
„Was brauch ich wirklich?“ ist seit einigen Wochen eine „Leitfrage“, die mich durch diese Wochen begleitet. Als ich letzten Sonntag für die Familie das Frühstück richtete, reichte mein Mann mir das Telefon, über das er gerade den Deutschlandfunk hörte mit dem „Kalenderblatt“ zum Geburtstag der Künstlerin Paula Modersohn-Becker. Inspiriert durch den Bericht freute ich mich über den „Kunstmoment“ am Morgen und bekannte: „sowas brauch ich!“. Ja, ich brauche inspirierende Momente. Nicht lang, aber regelmäßig.
Eine weise Frau, die mich auf meinem Weg begleitete, sagte mir mal, man würde immer die Bücher lesen, die gerade dran sind. Andere läge man wieder zur Seite. Nun lese ich nicht, sondern höre das Hörbuch zum zweiten Mal, da ich beim ersten Durchlauf doch zu oft eingeschlafen bin. Ein Buch über Familiengeheimnisse und Beziehungen. Ein Buch, in dem Malerei eine ebenso große Bedeutung spielt, wie Zeit- und Familiengeschichten. Das Buch von Alena Schröder Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel, ist das letzte einer Trilogie, deren ersten beiden Bände ich bisher nicht kenne, noch die Schriftstellerin selbst kannte.
Mich berührt die Geschichte von Marlen in diesem Buch, deren Begleiterin die kleine Leinwand ist, auf dessen kleiner Fläche sich Leben entfaltet und Experimentelles werden kann. Ihr Rückzug in ihr Obergemach, in die Beschäftigung mit Farben und der Leinwand nimmt den Leser / Hörer mit in das Wachsen ihrer inneren Stärken und Freiheiten.
Warum berichte ich heute davon? Während ich meine Erkältung auskuriere, liege ich mit unseren Bären im Wohnzimmer, höre das Hörbuch und blicke immer neu auf mein „Auferstehungs-Bild“, das ich selbst vor Jahren malte. Ich habe Zeit zu betrachten, mich zu erinnern, nachzusinnen. Auch über meine eigenen „Kunstmomente“ denke ich nach, die im Alltag ihren Platz brauchen, weil so ein Moment meiner Seele guttut, und ich das wirklich brauche. Ob als selbst Schaffende oder Wahrnehmende.
Jetzt ist Sofa-Zeit, doch zum Schreiben ist wieder Kraft da. Bei all den Eindrücken und Worten, brauche ich selbst Ausdruck. Kunst geht im Kleinen und im Rückzug erwächst innere Stärke, zwei Gedanken, die ich mit ins Wochenende nehme.
13.02.2026 / csb