Für 3 Euro ans Ziel. Gut, das Deutschlandticket zahlen wir jeden Monat und fairer Weise müssen wir das dazu addieren. Mein neues Wort: „Grenzüberschreitungsticket“. So lasen wir zuerst im Netz über die „Grenzfahrkarte Polen-Deutschland“, die wir bequem aufs Handy runter laden konnten, als wir bereits unterwegs waren.
Seit Wochen und Monaten war klar, wir brauchen Urlaub. Ich brauchte ihn vielleicht mehr als Andreas. Ich brauche Abstand vom Alltag und zweckfreie Zeit. Im letzten Jahr hatte ich im Urlaub Fenster geputzt, Kisten ausgepackt, unser neues Zuhause eingerichtet und erkundet. Ja, wir waren letztes Jahr in Hamburg und Familie und Freunde besuchten wir auch, aber ohne Anlass, Aufgabe oder Verpflichtung – dafür war die Zeit jetzt mehr als reif. Mal richtig Urlaub – ohne viel Aufwand, lange Fahrten, an einem Ort, an dem wir abtauchen wollten, ohne Gespräche und Begegnungen. Den suchten wir gedanklich länger, bis uns im Juni der Gedanke kam, nach Stettin zu fahren.
Die Baptistengemeinde in Stettin hat Gästezimmer im neu saniert und gestalteten Gemeindezentrum. Mit der Bahn – und dem Deutschlandticket war die Strecke überschaubar, und ja, hier sollten wir untertauchen können. Kurz vor der Fahrt dachte ich zwar, andere könnten auch auf den Gedanken gekommen sein, und ich könnte Kollegen oder Bekannte treffen – das war weit entfernt. Wir hatten zwei Wochen den Gästebereich fast ganz für uns alleine und trafen unter der Woche, in der Ferienzeit, nur vereinzelt Gemeindeleute im Haus. Für uns ein Segen.
Stilvoll und schön ist das Gemeindezentrum saniert und beeindruckte mich in seiner Klarheit und minimalistischen Gestaltung, die fokussieren lässt. Im gemeindeeigenen „fresh start cafe“ konnten wir unter der Woche frühstücken und wurden mit verschiedensten vegan-vegetarische Angeboten überrascht. Wenn wir nicht einen der fußläufig kulinarischen Orte im Zentrum der Stadt aufsuchen wollten, konnten wir in der Gästeküche selbst für unser leibliches Wohl sorgen.
Tägliche Schreibzeiten gehörten für uns in den Urlaub. Andreas hatte seinen Schreibtisch im Zimmer, ich eine Sessel. Was brauchen wir eigentlich mehr? Für mich gehörten „Genussmomente“ und „Kunstmomente“ mit in diese Zeit. Das „Grün“ tat meiner Seele einfach gut und „Waldbaden“ war ein Bedürfnis in diesen Tagen. Auf unseren Wegen fanden wir dafür mehrere Gelegenheiten. Wir erkundeten die Stadt und Umgebung zu Fuß – und ja, „wir können Karte“. Dank dem Stadtplan der Touristeninformation, den guten Ausschilderungen und Infotafeln, dem „roten Leitfaden“ durch die Stadt, kamen wir analog gut zurecht und mit Englisch gut ins Gespräch. Mich hat überrascht, wie selbstverständlich wir mit den unterschiedlichsten Leuten Englisch sprechen konnten – und ja, auch die Gottesdienste, ob bei den Adventisten oder Baptisten, konnten per Übersetzung in Englisch mitgefeiert werden. Einer von vier Gottesdiensten, die wir erlebten, wurde für uns live ins Deutsche übersetzt und auch im Bibelgespräch konnten wir uns so einbringen. Unsere Übersetzerin hat uns dabei durch ihre Art und im persönlichen Gespräch durch ihre Herzlichkeit und Offenheit berührt. Die Begegnung mit ihr wollen wir nicht missen und sind dankbar dafür.
Auch die Begegnung mit dem Kunstmaler am ersten Tag auf unserer Tour entlang der roten Leitlinie war besonders. Er hat keine Webseite, aber ein offenes Atelier, in dem wir Platz nehmen durften, er von Wohnzimmerkonzerten berichtete, und uns noch in der letzten Ecke das Licht anschaltete, damit wir in Ruhe betrachten konnten. Neben der Zeit im Atelier gehörten für mich als „Kunstmomente“ in den zwei Wochen die Skulpturen ob am Schloss, im Park auf dem Friedhof, die Bilder in der Gemeinde und im Café, sowie das Lichtspiel im Dom beim Orgelkonzert.
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Gallerie
Schöne Gemälde und eine wunderbare Begegnung mit dem Künstler.Gallerie
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Vier Tannen
Aufgenommen auf dem Hauptfriedhof von Stettin.Vier Tannen
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Vier Tannen
Zeichnung aus Claudias Urlaubs-Leporello.Vier Tannen
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Lichtspiel
Warmes Licht beim Orgelkonzert in der Kathedrale.Lichtspiel
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Meditierend
Andreas sitzt an der Oder.Meditierend
Meine „Genussmomente“ waren im Grünen. Vier Tannen hatten mir es angetan, die ich, wie manch anderen Moment malerisch festhalten konnte. Ja, es war mir eine Freude auch in diesem Urlaub zu malen. Ich konnte es genießen meinem Mann beim Blick aufs Wasser zu beobachten, und beim Baden im Smaragdsee zuzusehen. Über den Dächern der Stadt aß ich den besten veganen Burger, an den ich mich erinnern kann, und die Himbeertorte war unglaublich gut. Im Kartoffelkeller kehrten wir gleich mehrfach ein und das Farbspiel beim Inder konnten wir mit allen Sinnen genießen.
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Gott ist wie Kaffee
Wenn du den Morgen mit ihm beginnst, gibt er dir Energie für den ganzen Tag.Gott ist wie Kaffee
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Indisch Essen
Fragt nicht wie die Gerichte heißen ... aber sie waren sehr lecker.Indisch Essen
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Veganer Burger
Kein Fleischersatz, sondern Rote Beete als Burger. Ein GenussVeganer Burger
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Vegane Torte
Torte mit Himbeeren, cremig und leicht.Vegane Torte
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Käsekuchen
mit Mango-Ampulle. Ein Gedicht.Käsekuchen
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geschafft !
im doppelten Sinne des Wortes.geschafft !
Weder gekauft, noch gegessen haben wir die Würstchen „Sokoliki“ von „Sokolow“, aber ein Foto war es mir dann doch wert, und es machte mir Freude dieses mit Familie zu teilen. Und ja, auch die Fahrschule „Sokol“ und andere Begegnungen bestärkten mich wiedermal in der Herkunft meines Namens aus dem Slawischen und den Wurzeln tief in Masuren – auch wenn wir es bis dahin nicht geschafft haben und uns ganz auf Stettin konzentrierten.
Mich hat in den Tagen dort Geschichte bewegt und begleitet – Kriege aller Zeiten. Einem Ukrainischen Pastor und seiner Frau, die in Polen zur Erholung waren, durften wir Segen zusprechen, ebenso die Taufe einer Norwegerin erleben und auch ihr Segen wünschen. Wir begegneten Menschen verschiedenster Länder und Kontinente und waren in Gemeinden herzlich verbunden, obwohl wir uns nicht kannten, aber Christus und der Glaube an ihn uns einte. Wir feierten und beteten gemeinsam, teilten die „Sabbat-Suppe“ miteinander, und sehen uns vielleicht nie auf Erden wieder. Doch in mein Herz sind Erinnerungen und Spuren gepflanzt, manche in Wort und Bild festgehalten.
Da, „wo uns keiner kennt“, waren mir manche Fragen auch meiner Familienprägung nah. Keiner meiner direkten Vorfahren hatte die Flucht aus den Masuren erlebt, da sie alle wegen der Arbeit ins Ruhrgebiet kamen, doch der Krieg hatte sich ausgewirkt. Kindheitserinnerungen an Urlaubszeiten bei Familie und Freunden wurden zu Verlusterfahrungen, da lange Jahre es nicht möglich schien die Orte nochmal zu sehen. Der kalte Krieg war eben Krieg, auch wenn ich stets im Frieden aufgewachsen bin. In Polen war ich manches Mal mehr berührt, als ich dachte – auch wenn ich schon öfter da war, an verschiedensten Orten.
Mit Abstand vom Alltag und Zeit, konnten wir uns berühren lassen, reduzieren auf wesentliche Gedanke und wirklich abschalten, um im Urlaub anzukommen. Auch medial. Mails musste ich nicht checken und das Diensthandy ist bis heute nicht wieder angeschaltet. Noch haben wir nämlich Urlaub, auch wenn es gar nicht so einfach ist langsam in den Alltag zurück zu kehren, wenn die Post zu Hause wartet und die Wäsche gewaschen werden will, das Telefon blinkt.
Heute kaufte mein Mann mir Blumen, zum Beginn unseres Urlaubs hatte er mich mit drei Zeitschriften überrascht als Lektüre für die Zeit der Einkehr beschenkt, weil er dachte, das würde passen und mir gut tun. „Die Wüste“ hat mich nicht überzeugt, aber aus den Ausgaben zu „Heiligen Orten“ und „Schreiben tut gut“, nehme ich Gedanken mit aus dem Urlaub in den Alltag, weil sie mich inspiriert haben – wie manche Momente im Urlaub selbst.
„nimm den Stift zur Hand – gestalte dein Leben bunt – im eigenen Rhythmus“, so endet mein Gedicht, das ich am Abschiedstag vor Ort schrieb. So könnte auch die Überschrift über den Urlaubserfahrungen lauten, mit all den Schreib-, Genuss- und Kunstmomenten, an dem Ort, den wir uns mit seinen Menschen vertraut gemacht haben.
„neue Wege gehen – im Vertrauen ins Leben – Erfahrungen sammeln“, so geht es dann weiter, nicht zurück in den Alltagstrott, sondern neu ausgerichtet und bereichert in die zweite Jahreshälfte.