Claudia teilt Erinnerungen über Onkel Fritz

Eine extreme, bizzare Woche liegt hinter uns. Tod, Drama und Hektik. Dann noch Corona und Suche nach kreativen Lösungen ... und jetzt Sabbat. Endlich.

Fritz August Müller, 1921 - 2020 (Foto: Tobias H. Koch)

Am Freitag den 13. März 2020 verstarb Onkel Fritz - dann doch unerwartet schnell, gut drei Wochen nach seiner Frau. Früh am Morgen rief das Seniorenheim an und teilte nach einigem Hin und Her mit, dass sie ihn nicht noch einmal ins Krankenhaus verfrachten wollten (8 mal in den 9 Tagen zuvor), sondern in palliativ behandeln würden. So machte ich mich auf den Weg...

Er wusste, dass er sterben würde. Noch am Morgen erklärte er mir, dass er wohl sein Haus bestellen müsse. Ja, daran gab es keinen Zweifel. Alle Anzeichen dafür waren da. Am Mittag teilte er mir mit, dass ihm das Atmen schwer fiele, es gehe wohl zu Ende. Dabei schien seine Atmung ruhig und gleichmäßig. Am Nachmittag fand ihn sein Bruder - Onkel Karl - kniend vor seinem Bett, noch ganz warm. Gegen Abend holte ihn der Bestatter ab (was für ein Beruf ... Bestatter ... ich habe Respekt vor ihrem Dienst!).

Es folgte eine Woche des Aus- und Aufräumens - denn im Seniorenheim muss es schnell gehen. Es gibt eine lange Warteliste. Beerdigung organisieren ... Stopp ... wie eigentlich, in Zeiten von Corona und zunehmenden Einschränkungen. Meine Schwestern wollten aus München anreisen... Würden sie überhaupt ein Zimmer vor Ort bekommen?  Dürften sie überhaupt rein - die Auflagen in Sachsen-Anhalt und speziell im Jerichower Land änderten sich - gefühlt - stündlich und ließen viel Ungewissheit aufkommen.  Tatsächlich hatten etliche Friedhöfe Trauerfeiern komplett ausgesetzt. Auch das Seniorenheim ist abgeriegelt, Trauerfeiern (oder sonstige Veranstaltungen) in der Kapelle des Seniorenheims nicht mehr möglich.

Die Lösung: eine virtuelle Trauerfeier in der Kapelle der Hochschule. Eine Herausforderung... vor leerem Saal und laufenden Kameras öffentlich zu trauern... Das war gestern. Die Trauerfeier wurde ins Friedensau-TV und Internet, die Beisetzung auf dem Friedhof ins Internet eingespeist. Beeindruckend! Allerdings auch mit Aussetzern - vermutlich auch deshalb, weil jetzt viele Menschen die Möglichkeiten des Streamings über Netflix & Co hinaus entdeckt haben.

Parallel zu dem allen ... haben mich die Corona-Folgen auf Trab gehalten. Präsenzveranstaltungen sind an allen Bildungseinrichtungen in Sachsen-Anhalt seit Mittwoch verboten - egal, wie groß der Abstand zwischen den Lernenden ist, egal wie wenig versammelt sind. Das erfordert einen riesigen Paradigmenwechsel, hin zu Online-Veranstaltungen und Distance-Learning. Das muss natürlich eingerichtet, bedacht, kommuniziert werden. Aber der Tag hat ja 24 Stunden - und wenn das nicht reicht, nehmen wir die Nacht hinzu... Ab kommenden Montag soll alles stehen. Schaun wir mal.

Und ... last but not least berichteten Johannes und Elli am Freitag Abend, dass ihre Heizung komplett ausgefallen war. Naja, könnte man sagen ... ihr Problem.  Aber wenn Kinder und Enkel frieren, tut das nicht gerade gut... Der Installateur fand schnell die Ursache - die Hauptplatine in der Gastherme war hinüber. Das zu wissen, ist das eine - das zu lösen, das andere. Und auch hier lassen sich Glaubenserfahrungen machen. Die Familie betete um eine schnelle Lösung ... und justemente als sie "Amen" sagen wollten, klingelte das Telefon... Der Installateur hatte eine Platine organisiert (Vorsicht ... DDR Jargon wink) und konnte sie binnen kürzesterr Zeit einbauen.

So konnte ich heute endlich "runter-fahren", zur Ruhe kommen. Sabbat feiern.  Mit Ausschlafoption, zahlreichen gestreamten Gottesdiensten zur Auswahl, tiefem Frieden und einer warmen Decke.  Und der kommenden Woche gelassen entgegen sehen, auch wenn die es wieder in sich haben wird.

 

Impressionen (Dank an: Tobias H. Koch)