Ich war auf einem Konzert. Schon eine Stunde vor Einlass hatte sich eine lange Schlange am Eingang gebildet. Als ich dann eine halbe Stunde vor Beginn des Konzertes in das Kirchengebäude trat, fanden wir gerade noch in der vorletzten Reihe, ganz außen, einen Sitzplatz.

Ein guter Freund und Kollege hatte mich eingeladen und wir hatten uns extra frühzeitig vor der Kirche zu treffen vereinbart. Da ich ihn nicht versetzen wollte, war ich so rechtzeitig angereist, dass ich die Besucherströme gut beobachten konnte.

Es war ein schönes Konzert - auch wenn die Soundqualität ganz hinten in einem Kirchengebäude alles andere als optimal ist. Wir haben es dennoch sehr genossen.

Was mich aber bewegte, schmerzte und weiter nachdenken lässt, ist dies:

Wie kommt es eigentlich, dass bei einem Konzert schon eine Stunde vor Beginn der Raum voll ist - voll mit Menschen, voll mit Erwartungen, voll mit Vorfreude ... ein solches Phänomen bei Gottesdiensten unbekannt ist?

Am Konzertsaal statt Kirche kann es nicht liegen. Dieses Konzert fand in einer Kirche statt. Ist es die freie Platzwahl? Die bietet auch jeder Gottesdienst. An den Musikern kann es auch nicht gelegen haben - sie waren gut, professionell, mitreißend ... Attribute, die ich durchaus auch den Gestaltern von Gottesdiensten zubillige (jedenfalls in der Gemeinde, die mein geistliches Zuhause ist). Ist es die Macht der Gewohnheit? Ist es der freie Eintritt? (In die Kollekte wird wohl selten gelegt, was eine Konzertkarte kostet... was nichts kostet, ist auch nichts wert?)

Darf man das überhaupt? Ein Konzert mit einem Gottesdienst vergleichen? Mein Physiklehrer pflegte solcherlei kniffligen Fragen den Nachsatz hinzuzufügen:  "Und wenn ja, warum nicht?"