Da spielte die Mitteldeutsche Kammerphilharmonie anlässlich der 30 Jahre „Klänge im Raum“ am Sonntagnachmittag dem 05. 05. 2024 im SCHALOM-Haus in Schönebeck die wunderbaren Vier Jahreszeiten von Antonio Vivaldi … und ich Kunstbanause dachte statt an Frühling, Sommer, Herbst und Winter an „Szenen einer Ehe“.

Zu schön waren die süßen Duette zwischen Violine (Alejandro Carrillo) und Cello (Elena Tkachenko), die sich ganz schnell zu kämpferischen Duellen wandelten, bei der das temperamentvolle Cello der virtuosen Violine ordentlich Paroli bieten konnte – wie im richtigen Leben halt. Dazu gut aufeinander eingespielte Streicher – wie eine große Familie, die das Ehedrama begleitete. Das Cembalo als unauffällig das System stabilisierende „Tante“, die an einer Stelle mit großer Weisheit ihre Meinung zu dem Ganzen referierte – einfach herrlich. Man kann Musik so unterschiedlich hören, von ihr inspiriert und zu ganz eigenen Gedanken angeregt werden.

Das Besondere an dem Konzert war wohl auch die Atmosphäre. Die Akustik der gut gefüllten ehemaligen Synagoge und jetzt Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde ließ alle Stimmen äußerst differenziert erstrahlen – vielleicht auch, weil die Musiker auf dem Resonanzkörper des Taufbeckens platziert waren… ich weiß es nicht.  Gleichwohl ließen Tschaikowski Jahreszeiten (op. 37b) im zweiten Teil des Konzertes den Klangkörper der brillant spielenden Kammerphilharmonie zu einem Ganzen verschmelzen – ausdrucksstark, kräftig, ohne ins allzu Wuchtige abzudriften. Das abschließende Stück des mir unbekannten Aldemaro Romero aus dem Heimatland des Solisten – Venezuela – verzauberte durch seine Überraschungen. Begann es doch fast „harmlos“ geordnet wie eine Fuge von Bach, so drehte die Fuga con Pajarillo mit südamerikanischen Temperament voll auf. Und wer glaubte, den Walzer mitschunkeln zu können, sah sich ganz schnell mitten in lateinamerikanischen Rhythmen aus dem Gleichgewicht gebracht. Das Leben ist doch sehr komplex.

vivaldi2Die begeisterten Zuhörer applaudierten heftig. Die Blumen für den Solo-Violinisten wanderten dann auch ganz schnell weiter an die Cellistin. Irgendwie passend … dachte der Eheberater so bei sich. 

 

 

 

 

 

Diese kleine Rezension hätte gerne in der Schönebecker Volksstimme erscheinen sollen. Ist sie aber nicht... deshalb hier. 
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